Jugendfeuerwehr
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Hubschrauber der Bundeswehr abgestürzt
 Datum  Datum : Montag, 01.07.2019 Einsatz : 21  img
 Alarmzeit  Alarmzeit : 13:50 Uhr   -   Uhr
 Einsatzort  Einsatzort : Feldmark Dehmke
 Einsatzart  Einsatzart : Gefahrguteinsatz
 Alarmierung  Alarmierung : Digitaler Meldeempfänger, Alarm ABC-Zug
 Stärke  Stärke :

Druckversion  Druckversion img  Keine Fotos vorhanden Einsatzkarte  Keine Einsatzkarte verfügbar Glossar  Glossar

Am Montag, den 01.07.2019 gegen ca. 13:50 Uhr ereilte der kleinen Ortschaft Dehmke in der Gemeinde Aerzen ihr bisher größter Einsatz. Bis zu diesem Zeitpunkt schien im Ortsansässigen Feuerwehrhandel alles ganz normal zu sein. Bis ein dumpfer Knall und die Aussage: „Jetzt ist der abgestürzt“, die idyllische Ruhe der kleinen Ortschaft unterbrach.

Aus bislang unerklärter Ursache war ein Hubschrauber der Bundeswehr bei einer Tiefflugübung abgestürzt. Bereits Sekunden nach dem Absturz standen weite Teile der Maschine in Vollbrand. Umgehend wurde ein Notruf durch den stellvertretenden Ortsbrandmeister der Feuerwehr Dehmke Jan-Hendrik Koppenhagen abgesetzt. Die ebenfalls dort arbeitenden Feuerwehrleute Tobias Ebbighausen (Stadtpressewart und angehender Stadtbrandmeister Hessisch Oldendorf) und Niklas Thies (Fahrzeugführer der Erkundungs- und Lotsengruppe Afferde) zogen sich umgehend ihre Feuerwehrbekleidung an und machten sich mit einem Privat PKW auf den Weg zur Absturzstelle. Bereits auf der Anfahrt gab Tobias Ebbighausen die erste Lagemeldung an die Kooperative Regionalleitstelle (KRL) in Hameln, des weiteren fragte er nach möglichen Kampfmitteln, welche der Hubschrauber geladen haben könnte. Dies wurde bereits nach kurzer Zeit verneint. Gleichzeitig erreichte die KRL ein weiterer Notruf durch einen weiteren Piloten, der ebenfalls in der Maschine gesessen hatte. Er solle sich aus dem Hubschrauber gerettet haben und unterhalb der Absturzstelle in Richtung Dehmke befinden.

Aufgrund der Trockenheit und der Absturzstelle, die sich mitten in einem noch nicht abgeernteten Feld befand, lies Ebbighausen weitere Wasserführende Fahrzeuge aus der Umgebung alarmieren.

Wegen der schnellen Brandausbreitung und des damit verbunden Vollbrandes der Maschine konnte der Pilotin nicht mehr rechtzeitig geholfen werden. Sie verstarb noch im Unfallfrack.

Die zuerst eintreffende Ortswehr Dehmke baute eine Schlauchleitung vom oberhalbliegenden Wirtschaftsweg in Richtung Absturzstelle auf. Das erste Wasserführende Fahrzeug aus Aerzen begann mit der direkten Brandbekämpfung. Zeitgleich wurde ein Pendelverkehr auf dem Wirtschaftsweg eingerichtet. Bereits sehr früh wurde bekannt, dass der Hubschrauber aus Carbonfasern gebaut war. Diese Fasern können bei der Verbrennung Krebserregend wirken. Aus diesem Grunde wurde eine Sperrzone um die Hubschrauberabsturzstelle errichtet. Alle Einsatzkräfte die sich in einem bestimmten Radius um den Einsatzort befanden, durften diesen nicht mehr verlassen.

Gegen 14:13 Uhr wurde dann der ABC-Zug des Landkreises mit dem Einsatzstichwort „Dekontamination Groß“ nach Dehmke alarmiert. Gleichzeitig piepten die Meldeempfänger der Gefahrguteinheit der Stadt Hameln. Diese wurde zum Hamelner Krankenhaus alarmiert um dort einen Dekontaminationsplatz für den geretteten Piloten zu errichten. Vor betreten des Kranhauses wurde dieser ebenfalls dekontaminiert.

An der Einsatzstelle in Dehmke waren in der Zwischenzeit mehrere Ortswehren aus Aerzen, Hameln, Kirchohsen und der Bundeswehr Feuerwehr aus Bückeburg mit zwei Flugfeldlöschfahrzeugen eingetroffen. Nach Absprache mit dem Einsatzleiter der Bundeswehr und dem Zugführer des ABC-Zuges Hameln-Pyrmont Alexander Saffer wurde ein Feld dem Erdboden gleich gemacht und darauf ein Dekonplatz Personal errichtet. Aufgrund der Größe der Einsatzstelle und der Anzahl der zu dekontaminierten Einsatzkräften lies A.Saffer die ABC-Züge Stadt und Landkreis Hildesheim alarmieren. Ebenfalls wurde die Schnelleinsatzgruppe des DRK aus Marienau an die Einsatzstelle beordert. Durch bereits vorausgegangene ähnliche Übungen war eine schnelle und bessere Absprache der Einheiten möglich.

Durch die Ortskenntnis des Fahrzeugführers der Erkundungs- und Lotsengruppe, übernahm dieser die Einweisung der ersten ABC – Zug Kräfte. Im weiteren Verlauf unterstützte die Erkundungs- und Lotsengruppe dabei die Dekonstelle aufzubauen und stellte den Gruppenführer Logistik zwischen der Einsatzstelle und dem Bereitstellungsraum des ABC-Zuges. Außerdem wurde das Lotsen des ABC-Zuges Landkreis Hildesheim zu deren Bereitstellungsraum übernommen. Nachdem ebenfalls der ABC-Zug Stadt Hildesheim an der Einsatzstelle eingetroffen war, wurden beide Zugführer in die Lage eingewiesen und zum Dekonplatz gebracht.

Mit Hilfe der drei ABC-Züge wurden im Verlauf des Einsatzes die Kameraden, welche sich im Gefahrenbereich aufhielten dekontaminiert, also geduscht. Dabei wurden sämtliche persönlichen Schutzbekleidungen der Kameraden entsorgt. Da nicht ausgeschlossen werden konnten, dass sich Carbonfasern auf der Kleidung abgesetzt hatten. Auch die private Bekleidung vom T-Shirt bis zur Unterwäsche wurde von den Betroffenen entsorgt. Handys und Schlüssel wurden mit einer speziellen Seifenlauge gereinigt und konnten anschließend an ihre Besitzer zurückgegeben werden.

Die Bergung der Leiche fand durch Kameraden der Bundeswehr noch am selben Abend statt. Auch diese musste dekontaminiert werden und wurde anschließend durch einem im Landkreis ansässigen Bestatter in die Medizinische Hochschule nach Hannover gebracht.

Bereits in der Anfangsphase des Einsatzes wurde das komplette Gebiet zu einer Militärischen Sperrzone erklärt. Auf dem Hof einer Möbeltischlerei in Dehmke wurde ein Medienplatz eingerichtet. Dort konnten sich die Medienvertreter aufbauen und wurden Pressemitteilungen der Bundeswehr herausgegeben.

Im weiteren Einsatzverlauf machte sich die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen persönlich ein Bild von der Absturzstelle. Sie wurde mit einem Hubschrauber an die Einsatzstelle geflogen und dankte den Einsatzkräften im gleiche Zuge für ihre Arbeit.

Durch die aufwändige Dekon des Personals, die Reinigung der persönlichen Gegenstände und die Bergung der toten Pilotin zog sich der Einsatz bis in die Nacht hinein hin.

Zeitgleich wurden die ersten Feuerwehrkameraden in Krankenhäuser nach Hameln und Bad Pyrmont gebracht. Dort wurde ein vorläufiger Unfallbericht für die betreffenden Einsatzkameraden gemacht. Dies ist bei solchen Einsätzen Standard und von der Feuerwehrunfallkasse so gefordert.

Als die letzten Einsatzkräfte die Einsatzstelle am Morgen des 02.07.2019 gegen 5 Uhr verließen, war der Einsatz aber noch lange nicht abgeschlossen. In den darauffolgenden Tagen machten sich die Unfallforscher der Bundeswehr an die Arbeit. Die Ursache wurde gesucht, sowie verstreute Frackteile und der Hubschrauber mussten geborgen werden. Des Weiteren wurde die direkte Unfallstelle ausgekoffert und das betroffene Feld großräumig abgemäht. Auch die direkt an der Unfallstelle befindlichen Fahrzeuge wurden erstmal „Stillgelegt“. Da nicht auszuschließen war, dass sich an den Einsatzfahrzeugen und an den zur Dekontamination genutzten Duschzelten Rückstände der Carbonfaser befanden. Erst nachdem alle Abstriche und Untersuchungsergebnisse ausgewertet waren, konnten Sie zu Ihren Standorten zurückkehren.

Der Einsatz zog sich noch mehrere Wochen hin. Bisher ist auch noch das komplette Areal um die Absturzstelle mit Flatterband abgesperrt.

 Eingesetzte Mittel :
 Sachschaden :



Weitere Berichte zu diesem Einsatz finden Sie auch hier :
 img Deister- und Weserzeitung - "Hubschrauber stürzt bei Aerzen ab – Pilotin stirbt"img
 img Tagesschau - "Hubschrauber der Bundeswehr abgestürzt"img
 img Dewezet - "Nach Absturz: Unsichtbare Gefahr im Sperrbezirk"img

 
  EINGESETZTE FAHRZEUGE :

   img


 

 

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